“Im Reich der Falten” im Museum Bellerive Zürich

Der Faltenwurf ist vielleicht der kunsthistorische Fetisch schlechthin. Die Schatten, Perspektiven und Farbverläufe von gemalten Falten können einer fast religiösen Verehrung zu Teil werden. Im Umkehrschluss gilt dann auch: Wer über Faltenwürfe in einem Barockgemälde sprechen kann, der hat Ahnung. Auch in der dreidimensionalen Mode ist die Falte etwas für Kenner_innen. Diejenige, die weiß, wo die Bügelfalte hingehört, hat Geschmack. Den Geschmack, der den feinen Unterschied zur modischen Masse ausmacht. Nachdem aber die Bügelfalte spätestens mit dem Siegeszug der Bundfaltenhose in den 1970er Jahren kein geeignetes Mittel zur Distinktion mehr [...]

“1813 – Auf dem Schlachtfeld bei Leipzig” im Deutschen Historischen Museum Berlin

Die Karabiner sind auf mich gerichtet. Zwanzig an der Zahl – auf einem Metallgestell, das auch aus einer Waffenkammer stammen könnte. Der Spiegel im Hintergrund soll mich vermutlich daran erinnern, dass ich sowohl hinter als auch vor den Waffen stehen könnte. Im Boden ist eine Vitrine eingelassen, in der auf grauem Sand zwei Geschützkugeln liegen. Soll vielleicht heißen: Ich könnte auch schon tot sein. Hinter mir steht eine Kanone und zwei fahrzeuglose Räder liegen davor. Vervollständigt wird das Ensemble von einem Pferdeskelett mit danebenliegender Kanonenkugel – wiederum auf diesem grauen grobkörnigen Ziersand. Heißt [...]

3 Kontinente – 7 Länder. Werke von Erich Mendelsohn im Kulturforum Berlin

Welche Rolle spielen die Orte und Stationen eines Lebens im Werk eines Architekten? Welche Rolle spielen die Kontakte zu anderen Menschen in dessen Werk? Welche Rolle spielen einschneidende biographische Erfahrungen, welche Rolle die Religion, die Herkunft, die Familie in den Bauten? All dies sind Fragen, die eine biographisch ausgerichtete Ausstellung über einen Künstlerarchitekten beantworten oder zumindest stellen könnte. All dies tut die Ausstellung zum künstlerischen Nachlass des Architekten Erich Mendelsohn (1887-1953), die die Kunstbibliothek gegenwärtig im Kulturforum zeigt, nicht. Erich Mendelsohn begann schon in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs mit Skizzen [...]

Verbrechen lohnt sich: Der Kriminalfilm im Museum für Gestaltung Zürich

Ist es die Waffe oder die Hand, die beim Kriminalfilmplakat nicht fehlen darf? Zumeist ist beides zu sehen. Häufig auch in Kombination mit angewinkeltem Arm, langem beigen Mantel und Fedora-Hut. Manches mal ist aber auch nur das Messer zu sehen, wie bei Robbery, oder nur die Hand, die nach einem greift, oder die Hände sind versteckt in den Taschen, wie bei Taxi Driver, oder sie halten eine Zigarette, wie Jack Nicholson in China Town. Bei Hitchcocks Dial M for Murder reckt einem das potentielle Opfer auf dem Plakat die Hand [...]

“Was Jetzt? Aufstand der Dinge am Amazonas.” Im Museum der Kulturen Basel

Das Museum der Kulturen ist zunächst vor allem eines: Meta. Es fragt in seinen Ausstellungen stets danach, ob und wie ethnologische Objekte in einem Museum ausgestellt werden können. Denn die Völkerkundemuseen (auch das Basler Museum trug noch bis 1996 die Völkerkunde im Namen) haben ein Problem: Sie beherbergen Sammlungen, die einem kolonialen Blick folgen. Aus einer westlich-nationalen Sicht inszenieren sie die Fremden als exotisch, teilweise gar als rassisch Unterlegene. Zustande gekommen aufgrund von Eroberungen oder von Tausch und Handel, den die beforschten Fremden im Nachhinein wohl nicht mehr eingegangen wären. [...]

Das Römisch-Germanische Museum in Köln

Wie sah ein Museum in den 1970er Jahren aus? In Köln kann man das noch besichtigen. Das unmittelbar neben dem Dom gelegene Römisch-Germanische Museum bietet nicht nur Brutalismus und zu wenig Platz für den Museumsshop, sondern auch zu großen Teilen noch die Dauerausstellung, die 1974 installiert wurde. Nun folgte diese zwar damals dem neuesten Schrei der Museologie und wurde in weiten Teilen überaus wohlmeinend besprochen, aber dennoch hat die Diskussion um eine gute Dauerausstellung seit dieser Zeit einige Schleifen gedreht und Spuren hinterlassen. Die Kölner_innen und Tourist_innen hält das an [...]

Das Naturkundemuseum des Joanneums in Graz. Neu eröffnet im März 2013.

Heuschrecken in Serie hinter Glas bei aseptischer Beleuchtung auf weißem Hintergrund. Das Gleiche mit Schmetterlingen, Grazer Stadtrandgrünpflanzen, mit Samen der verschiedensten Schneckenklees und Schneckengehäusen. Anders gesagt: das Naturkundemuseum erinnert mich an Damien Hirst und damit an einen der bekanntesten Gegenwartskünstler dieser Tage. Nun kann man einschränken, dass das mehr über Damien Hirst sagt, als über das Naturkundemuseum des Grazer Universalmuseums Joanneum. Hirst begann in den 1990ern Haie in Formaldehyd einzulegen und aufgespießte Schmetterlinge in farblichen Serien hinter Vitrinen zu präsentieren. Damit spielte er mit den Traditionen des Musealen und dem naturgeschichtlichen Systematisierungszwang, [...]