Migros Museum für Gegenwartskunst. Collection on Display und Stephen Rhodes.

Mein erster Eindruck und, so viel will ich vorwegnehmen, auch mein letzter: Ich stehe in einem Ghetto für die Kunst. Hohe Räume, extrem helles Kunstlicht, eine Holztheke hinter der mich eine Frau um die 30 anlächelt, Eintrittspreise sind in einer Sans Serif-Schrift auf die Wand affichiert und vor dem Eingang kann man sich zwei aneinander getackerte Seiten Text aus einem Acryl-Prospekt-Wandhalter nehmen.

Beim Migros Museum, das erst vor kurzem im Löwenbraukunst-Areal eröffnet wurde, kommt alles zusammen, was ein Ort für Gegenwartskunst in den vorangegangenen  Jahrzehnten haben musste (Präteritum). Ein altes Fabrikgelände in der Stadt, jede Menge in regelmäßigen Abständen gehängte Neonröhren, White-Cube-Räume und Risse im Boden. Die gegenwärtige Sammlungspräsentation des Firmenmuseums beschäftigt sich mit der “aktuellen skulpturalen Praxis”. Die 5 Künstlerinnen und ihre 11 Werke (von denen ich nur 8 sah) werden in langen Texten näher besprochen. Darin kommen dann Anfangssätze vor wie: “Katja Strunz’ Werke, die zwischen einem formalen Konstruktivismus und einer Bezugnahme auf (post)modernistische Utopien anzusiedeln sind, knüpfen an ein avantgardistisches Erbe an.”

Migros Museum für Gegenwartskunst_Zürich

Im oberen Geschoss ist eine weitere Ausstellung zu sehen. Dort durfte sich der in Berlin und New Orleans lebende Künstler Stephen Rhodes auf geschätzten 300qm raumfüllend ausleben. Zu sehen sind Beamer die an von der Decke hängenden Rotoren kreisen, Kunststoffschlangen, die in konzentrischen Kreisen über schwarzen Babypuppen gruppiert sind, übergroße mintgrüne Vorhänge, die an Krankenzimmer erinnern, Aluminium-Skulpturen in Blitzform, die durch Zementgefüllte Ballons gestützt werden und Bananenkartons auf langen Metallregalen. Das ganze überfordert erst einmal und macht viel Spaß beim langsamen Entdecken. Der Text verrät: “Rhodes benutzt das «Faktische» im Sinne einer kritischen Zweckentfremdung – worum es geht, ist niemals ausschliesslich das, worum es geht.”

Als ich die Ausstellungsräume wieder verlasse, stehen in einer Ecke des Foyers einige junge, auffällig (gut) angezogene Menschen und trinken Weißwein.

Das mag jetzt alles etwas despektierlich geklungen haben. Für mich war es ein sehr erfüllender und inhaltsreicher Ausstellungsbesuch in die Gefilde der Kunst-Immanenz. Es ist immer wieder schön den Kunst-Ghettos dieser Welt einen Besuch abzustatten.

Migros Museum für Gegenwartskunst_Zürich_2

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