Japan und sehr wenige seiner Museen

Über japanische Museen kann ich nicht viel sagen. Das liegt vor allem daran, dass ich die Objekte und Themen, die dort und wie sie dort ausgestellt werden, schlicht aus exotisierenden Denkmustern beurteile. Mir fehlt das nötige Hintergrundwissen, um den dortigen Museen gerecht zu werden.

Da ich aber doch die Chance nicht ungenutzt lassen will, einmal etwas über ein Land zu bloggen, in das die wenigsten Europäer_innen häufig reisen, versuche ich mich im Folgenden an einer kleinen Fotoreportage, die meist eine gänzlich westliche Sicht zum Maßstab ihrer Bilder und Worte macht.

Tokio Nationalmuseum. Januar 2014

Tokio Nationalmuseum. Januar 2014

Die Präsentationen in den wenigen Museen, die ich gesehen habe, machten auf mich den Eindruck, als zählte da allein das systematisierte Objekt in seiner Aura und Authentizität − eben ganz so wie es das Museumsideal des 19. Jahrhunderts vorschreibt. Dem Kenner (seltener der Kennerin) soll eine lange und eingehende Kontemplation vor dem Objekt ermöglicht werden. Die ästhetische Erfahrung erschließt das Objekt.

Das Tokioter Nationalmuseum stellt jedenfalls zum Jahr des Pferdes Sättel in Serie aus. Jedem Sattel ist ein Objektschild gewidmet. Nur einige von Ihnen haben kurze Erläuterungen, noch weniger davon auch englische Kurzversionen davon.

Tokio Nationalmuseum. Januar 2014

Tokio Nationalmuseum. Januar 2014

Tokio Nationalmuseum. Januar 2014

Tokio Nationalmuseum. Januar 2014

Auch moderner gestaltete Galerien des Nationalmuseums auratisieren, was das Zeug hält. Die Lichtstärke so sehr zurückgenommen, dass die Augen sich erst einmal daran gewöhnen müssen, sind hier Skulpturen von Gottheiten verschiedener Couleur hinter Vollglas-Vitrinen den “Ohhs” und “Ahhs” preisgegeben.

Nicht, dass ich viele davon gehört hätte. An Beliebtheit scheinen japanische Museen den mitteleuropäischen etwas hinterherzuhinken. Wobei das auch ein gänzlich zufälliger Eindruck sein könnte.

Science Museum Tokio. 2013

Science Museum Tokio. 2013

Dieser Eindruck könnte zum Beispiel schlicht aus der falschen Auswahl an Museen resultieren. Wobei das Science Museum wiederum das Museum war, das sich besonders international gab – zumindest in der Beschriftung einiger Exponate.

Science Museum Tokio. 2013

Science Museum Tokio. 2013

Das einzige Museum, für das ich mich einigermaßen urteilsfähig halte, war das Peace Memorial Museum in Hiroshima. Wie im gesamten Gedenkpark, der das Zentrum von Hiroshima mit Denkmälern überzieht, wird hier vom Atombombenabwurf aus einer japanischen Opferperspektive erzählt. Im Anfangsteil der Ausstellung werden zunächst “die Fakten” geliefert. Und weil es sich dabei um Fakten handelt, sind die in Textform gegeben. Karten und Stadtmodelle, die das Ausmaß der Zerstörung verdeutlichen, ergänzen den Text. Das erzeugt den Eindruck von Genauigkeit, Überprüfbarkeit und befriedigt das Bedürfnis nach einer plausiblen Erzählung der Geschichte, die hier als kausale Kette von Ereignissen gedacht zu sein scheint. Umstritten scheinen diese Texte dennoch zu sein. Gerade im Bereich, der mit der Frage “Why did the USA drop the bomb on Japan?” überschrieben ist, ist deutlich sichtbar, dass viele Texte ausgetauscht und geändert worden.

Peace Memorial Museum. Hiroshima 2013

Peace Memorial Museum. Hiroshima 2013

Nach den Fakten im Text kommt die Emotion an die Reihe. Die soll über ein großes Diorama erzeugt werden, in dem dahinschmelzende Wachsfiguren vor einer Ziegelwand und rotflackerndem Licht installiert sind. Das erinnert wahlweise an Geisterbahnfahrten in den Erlebnisparks der 1980er oder Madame Tussauds auf Drogen.

Peace Memorial Museum. Hiroshima 2013

Peace Memorial Museum. Hiroshima 2013

Nach diesem emotional appeal fehlt nur noch eins. Die Emotion und die Fakten des Textes müssen geerdet werden. Sie muss als authentisch und wahr abgesichert werden. Das geschieht im Museum traditionell über Objekte, die die ferne Vergangenheit in die Nähe der Museumsbesucher_innen bringt. Sie sind die nicht anzweifelbaren Zeugen, die den anfänglichen Text auf ihre Art und Weise vortragen. Sie lassen teilweise gar etwas von denen erahnen, die nicht mehr sprechen können.

Zum Zeitpunkt der Detonation saß auf dem Stein noch jemand. Ein Schatten blieb nach der totalen Zerstörung zurück. An anderer Stelle sind die Reste eines Pfadfinder-Anzuges oder ein noch fahrtüchtiges Dreirad ausgestellt; oder auch eine stehengebliebene Uhr, die so etwas, wie das immer wiederkehrende Zeichen der Ausstellung und des Friedensparks ist.

Peace Memorial Museum. Hiroshima 2013

Peace Memorial Museum. Hiroshima 2013

Peace Memorial Museum. Hiroshima 2013

Peace Memorial Museum. Hiroshima 2013

 

 

 

 

 

 

 

 

Japan hat mir gefallen. Seine Museen blieben mir fremd.

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