Category Archives: Zürich

“Im Reich der Falten” im Museum Bellerive Zürich

Der Faltenwurf ist vielleicht der kunsthistorische Fetisch schlechthin. Die Schatten, Perspektiven und Farbverläufe von gemalten Falten können einer fast religiösen Verehrung zu Teil werden. Im Umkehrschluss gilt dann auch: Wer über Faltenwürfe in einem Barockgemälde sprechen kann, der hat Ahnung. Auch in der dreidimensionalen Mode ist die Falte etwas für Kenner_innen. Diejenige, die weiß, wo die Bügelfalte hingehört, hat Geschmack. Den Geschmack, der den feinen Unterschied zur modischen Masse ausmacht. Nachdem aber die Bügelfalte spätestens mit dem Siegeszug der Bundfaltenhose in den 1970er Jahren kein geeignetes Mittel zur Distinktion mehr [...]

Verbrechen lohnt sich: Der Kriminalfilm im Museum für Gestaltung Zürich

Ist es die Waffe oder die Hand, die beim Kriminalfilmplakat nicht fehlen darf? Zumeist ist beides zu sehen. Häufig auch in Kombination mit angewinkeltem Arm, langem beigen Mantel und Fedora-Hut. Manches mal ist aber auch nur das Messer zu sehen, wie bei Robbery, oder nur die Hand, die nach einem greift, oder die Hände sind versteckt in den Taschen, wie bei Taxi Driver, oder sie halten eine Zigarette, wie Jack Nicholson in China Town. Bei Hitchcocks Dial M for Murder reckt einem das potentielle Opfer auf dem Plakat die Hand [...]

Maos Mango. Massenkult der Kulturrevolution. Im Museum Rietberg Zürich

Eine Mango in voller Reife in einer kleinen genau an sie angepassten Vitrine. So schlicht wie absurd ist das zentrale Ausstellungsstück in der gegenwärtigen Sonderausstellung des Museums Rietberg in Zürich (der seltene Fall eines ethnologischen Kunstmuseums). Diese Preziose liefert den Einstieg in die Schau und taucht in der eher kleinen Ausstellung in nur leicht veränderten Formen immer wieder auf. Der Mango sieht man unterdessen die über 40 Jahre, die es auf der Schale hat, fast gar nicht an. Und so könnte sie noch in der jetzigen Fassung ein Heiligtum für die Healthy-Food-Bewegung [...]

Migros Museum für Gegenwartskunst. Collection on Display und Stephen Rhodes.

Mein erster Eindruck und, so viel will ich vorwegnehmen, auch mein letzter: Ich stehe in einem Ghetto für die Kunst. Hohe Räume, extrem helles Kunstlicht, eine Holztheke hinter der mich eine Frau um die 30 anlächelt, Eintrittspreise sind in einer Sans Serif-Schrift auf die Wand affichiert und vor dem Eingang kann man sich zwei aneinander getackerte Seiten Text aus einem Acryl-Prospekt-Wandhalter nehmen. Beim Migros Museum, das erst vor kurzem im Löwenbraukunst-Areal eröffnet wurde, kommt alles zusammen, was ein Ort für Gegenwartskunst in den vorangegangenen  Jahrzehnten haben musste (Präteritum). Ein altes [...]

Magie der Dinge. Das Produktplakat im Museum für Gestaltung Zürich

Keine Dinge, dafür aber Fetische, Verpackungen und Mortadella. Die Sammlung von Produktplakaten der Zürcher Hochschule der Künste. Die Ausstellung beginnt mit einer Gegenüberstellung. Auf der einen Seite sind Produktplakate für Gerber-Gala Doppelrahm-Käse, Union-Kohle und markenloses Bier zu sehen, auf der anderen hängen in einer Art Guckkasten dreidimensionale Miniaturmodelle der auf den Plakaten abgebildeten Dinge. Die Inszenierung im Kasten lässt die Dinge wie schwebend aussehen. Es bleibt der Eindruck, dass das mit Käse, Kohle oder Bier nicht viel zu tun hat, schließlich können mich weder die sogenannten 3-D-Realisierungen des Ausstellungsgestalters Christian [...]

“Postmodernism. Style and Subversion 1970–1990″ im Landesmuseum Zürich

Vor kurzem hörte ich auf einer Podiumsdiskussion den Satz: “Ich gehöre einer Generation an, die endlich weg von der Postmoderne, wieder etwas zurück zur Moderne möchte.” Die Postmoderne ist tot, so tot wie Bionade, der Prenzlauer Berg oder die Rede davon, dass etwas tot sei. Zeit für eine Ausstellung. So dachte auch das Victoria and Albert Museum in London. Mittlerweile ist die Ausstellung mit dem Untertitel “Style and Subversion 1970–1990″ auf Reisen gegangen und im Landesmuseum Zürich angekommen. Nachdem ich die Hälfte der Ausstellung durchwandert habe, denke ich mir, während ich [...]