Category Archives: Berlin

“Alltag in der DDR”. Das neue Museum der Stiftung Haus der Geschichte in der Kulturbrauerei in Berlin

Inhalt: Der Alltag in der DDR bestand aus Konsum und Arbeit und für manche aus Widerstand. Museologie: Mischung aus Schulbuch, Stubenprinzip und ästhetisierender Objektauswahl. Wobei die Objekte nicht als Ästhetische, sondern als Zeugnisse/Illustrationen für die Schulbuchthesen behandelt werden. Gestaltung: Viel zu voll.

“1813 – Auf dem Schlachtfeld bei Leipzig” im Deutschen Historischen Museum Berlin

Die Karabiner sind auf mich gerichtet. Zwanzig an der Zahl – auf einem Metallgestell, das auch aus einer Waffenkammer stammen könnte. Der Spiegel im Hintergrund soll mich vermutlich daran erinnern, dass ich sowohl hinter als auch vor den Waffen stehen könnte. Im Boden ist eine Vitrine eingelassen, in der auf grauem Sand zwei Geschützkugeln liegen. Soll vielleicht heißen: Ich könnte auch schon tot sein. Hinter mir steht eine Kanone und zwei fahrzeuglose Räder liegen davor. Vervollständigt wird das Ensemble von einem Pferdeskelett mit danebenliegender Kanonenkugel – wiederum auf diesem grauen grobkörnigen Ziersand. Heißt [...]

3 Kontinente – 7 Länder. Werke von Erich Mendelsohn im Kulturforum Berlin

Welche Rolle spielen die Orte und Stationen eines Lebens im Werk eines Architekten? Welche Rolle spielen die Kontakte zu anderen Menschen in dessen Werk? Welche Rolle spielen einschneidende biographische Erfahrungen, welche Rolle die Religion, die Herkunft, die Familie in den Bauten? All dies sind Fragen, die eine biographisch ausgerichtete Ausstellung über einen Künstlerarchitekten beantworten oder zumindest stellen könnte. All dies tut die Ausstellung zum künstlerischen Nachlass des Architekten Erich Mendelsohn (1887-1953), die die Kunstbibliothek gegenwärtig im Kulturforum zeigt, nicht. Erich Mendelsohn begann schon in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs mit Skizzen [...]

“Martin Scorsese” in der Deutschen Kinemathek Berlin

Die Rasierklinge scheint ganz sanft über die Haut zu gleiten. Zahlreiche kleine Wunden hinterlässt sie dennoch. Das Blut tropft an den typischen 60er Jahre Armaturen vorbei in das Waschbecken. Statt mit weißem Rasierschaum bedeckt, ist das männliche Kinn nun dunkelrot gefärbt. Zum Ende des Kurzfilmes “The Big Shave”, der zu den Bekanntesten aus der frühen Karriere Martin Scorseses zählt, blendet der ganze Bildschirm in ein tiefes Rot über. Der alternative Titel des Filmes, “Viet 67″, suggeriert eine Kritik am Vietnam-Krieg der USA. Dieser Einstieg in die Ausstellung der Deutschen Kinemathek [...]

Verführung Freiheit. Kunst in Europa seit 1945 im DHM Berlin.

Es geht um Viel, beinahe um Alles. “Wie möchten wir leben?” fragen der Flyer und die Homepage zur Ausstellung. Der Einführungstext kompiliert die großen Begriffe der Gegenwart: Freiheit, Vernunft, Geschichte, Verantwortung, Politik, Gesellschaft, Zukunft und die Menschenrechte, die natürlich nicht fehlen dürfen. Die kurz getaktete Abfolge lässt die Worte erschreckend leer zurück. Wer soll diesen Begriffen nun ihren Inhalt wieder zurückgeben? Natürlich die Kunst, der man in ihrer angeblichen Autonomie eine besondere Fähigkeit der Weltbeobachtung zurechnet. Das Deutsche Historische Museum, dessen Ausstellungen man euphemistisch als staatstragend bezeichnen könnte, sammelt zur [...]

Hans-Peter Feldmann. Die Büste der Nofretete in der Neuen Nationalgalerie.

Sie schielt. Das heißt auch: Im Gegensatz zu ihrem über 3000 Jahre alten Vorbild hat sie beide Augen. Stellt sich die Frage, was der 71 jährige Düsseldorfer Künstler Hans-Peter Feldmann seiner Interpretation der Nofretete-Büste, die gerade in der Neuen Nationalgalerie gezeigt wird, noch so hinzufügt. Ein kleiner schwarzer Punkt auf ihrer Wange, auch Schönheitsfleck genannt, spielt mit dem Schönheitsideal, für das die Büste noch heute so oft herhalten muss, das aber auch schon in ihrem Namen anzitiert wird (Neferet-iti = die Schöne ist gekommen). Ansonsten ist sie deutlich farbiger, fast [...]

Kaiser, König, Bettelmann. Spielen in Alt-Berlin 1871–1933. Märkisches Museum Berlin.

Als ich die Ausstellung betrete, fühle ich mich vor allem sehr alleine. Obwohl ich doch von Einigem umgeben bin. Ich befinde mich neben Bauklötzen von der Jahrhundertwende, mit denen eine Berliner Kirche nachgebaut wurde, unweit davon stehen in einem alten Sammlungsschrank Puppenhausmöbel verschiedenster Größe, deren Detailtreue von heutigen Ego-Shooter-Computerspielen nicht erreicht wird, am Ende des ersten Raumes liegen in einer Vitrine die Metallbaukästen der Berliner Firma Walther & Co, die in einer Ingenieursschule noch heute kaum als Spielzeug auffallen dürften. Allein mit den Museumsdingen zu sein, erinnert an eine Traumvorstellung. [...]

Glücksfälle – Störfälle. Facetten interkultureller Kommunikation. Sonderausstellung im Museum für Kommunikation Berlin

Kommunikation, Kultur, Museum. Oder was passiert wenn Kulturwissenschaftler_innen Ausstellungen machen? Interkulturelle Kommunikation scheint vor allem für zwei Gruppen dieser Welt interessant. Für Kulturwissenschaftler_innen und für Wirtschaftende. Für Händler, wie man vor einiger Zeit noch gesagt hätte, gehört der Kontakt mit dem nicht näher definierten Fremden seit jeher zum Berufsbild. Kulturwissenschaftler sprechen seit den 70er Jahren von Interkultureller Kommunikation und geben damit einer sich vor allem ab dieser Zeit selten dynamisch globalisierenden Wirtschaft ein Begriff an die Hand, mit der die alltäglichen Fallstricke der Vertragsaushandlungen beschrieben werden können. Die Wirtschaft nimmt [...]