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“Hard Times” an der 97 Orchard Street. The Lower East Side Tenement Museum in New York

Gäbe es das Tenement-Museum in New York nicht, müsste man es erfinden. Wären die Wohnungen des Hauses an der 97 Orchard Street nicht zufälligerweise 50 Jahre unberührt geblieben und nun musealisiert, müsste man sich sofort auf die Suche nach einem vergleichbaren Haus machen. Warum das so ist? Ein Mietshaus in der Lower East Side erscheint mir ein idealer Ort, um einigen häufig vernachlässigten historischen Erfahrungen nachzugehen. Das 1863 gebaute Haus, das 1988 zum Tenement Museum wurde, eignet sich hervorragend, um das Recht der sogenannten kleinen Leute in Geschichte und Gegenwart [...]

“NY at its Core” Die neue Dauerausstellung des Museums of the City of New York.

Es ist dunkel in der Ausstellung NY at its Core. Der erste Raum ist in schwarz getaucht, nur die Bildschirme, Projektionen, die weißen Texte und die eher spärlich ausgeleuchteten Objekte spenden etwas Licht. Es ist, als wollte die neue Dauerausstellung des Museums of the City of New York warnen: Im Kern von New York lauert ein Abgrund. Und in der Tat ist das erste Objekt der Ausstellung ein Totschläger. Auch wenn es sich dabei um einem kunstvoll ornamentierten Schläger handelt, der wohl vornehmlich zu rituellen und diplomatischen Zwecken diente, steht [...]

Museo Poschiavino

Es wäre einfach, eine genauso fundierte wie blasierte Kritik des Talmuseums im Puschlav zu schreiben. Hier im Hauptort dieses Graubündner Tals an der Grenze zu Italien, das einer Postkarte entsprungen zu sein scheint, heißt das Museum noch schlicht “Museo”.  Zwar gibt es noch ein zweites, aber das ist eben das Kunstmuseum. Das Museum hingegen versammelt all das, was als Zeugnis der Kultur der Region gelten und auf das der Stempel Kunst nicht passen mag (oder zwar Kunst ist, aber nun mal zufällig die wichtigsten Bürger_innen des Tals abbildet). Ein Querschnitt [...]

Japan und sehr wenige seiner Museen

Über japanische Museen kann ich nicht viel sagen. Das liegt vor allem daran, dass ich die Objekte und Themen, die dort und wie sie dort ausgestellt werden, schlicht aus exotisierenden Denkmustern beurteile. Mir fehlt das nötige Hintergrundwissen, um den dortigen Museen gerecht zu werden. Da ich aber doch die Chance nicht ungenutzt lassen will, einmal etwas über ein Land zu bloggen, in das die wenigsten Europäer_innen häufig reisen, versuche ich mich im Folgenden an einer kleinen Fotoreportage, die meist eine gänzlich westliche Sicht zum Maßstab ihrer Bilder und Worte macht. [...]

“Alltag in der DDR”. Das neue Museum der Stiftung Haus der Geschichte in der Kulturbrauerei in Berlin

Inhalt: Der Alltag in der DDR bestand aus Konsum und Arbeit und für manche aus Widerstand. Museologie: Mischung aus Schulbuch, Stubenprinzip und ästhetisierender Objektauswahl. Wobei die Objekte nicht als Ästhetische, sondern als Zeugnisse/Illustrationen für die Schulbuchthesen behandelt werden. Gestaltung: Viel zu voll.

“Im Reich der Falten” im Museum Bellerive Zürich

Der Faltenwurf ist vielleicht der kunsthistorische Fetisch schlechthin. Die Schatten, Perspektiven und Farbverläufe von gemalten Falten können einer fast religiösen Verehrung zu Teil werden. Im Umkehrschluss gilt dann auch: Wer über Faltenwürfe in einem Barockgemälde sprechen kann, der hat Ahnung. Auch in der dreidimensionalen Mode ist die Falte etwas für Kenner_innen. Diejenige, die weiß, wo die Bügelfalte hingehört, hat Geschmack. Den Geschmack, der den feinen Unterschied zur modischen Masse ausmacht. Nachdem aber die Bügelfalte spätestens mit dem Siegeszug der Bundfaltenhose in den 1970er Jahren kein geeignetes Mittel zur Distinktion mehr [...]