3 Kontinente – 7 Länder. Werke von Erich Mendelsohn im Kulturforum Berlin

Welche Rolle spielen die Orte und Stationen eines Lebens im Werk eines Architekten? Welche Rolle spielen die Kontakte zu anderen Menschen in dessen Werk? Welche Rolle spielen einschneidende biographische Erfahrungen, welche Rolle die Religion, die Herkunft, die Familie in den Bauten? All dies sind Fragen, die eine biographisch ausgerichtete Ausstellung über einen Künstlerarchitekten beantworten oder zumindest stellen könnte. All dies tut die Ausstellung zum künstlerischen Nachlass des Architekten Erich Mendelsohn (1887-1953), die die Kunstbibliothek gegenwärtig im Kulturforum zeigt, nicht.

Potsdam, Einsteinturm, 1923. Fotograf: Athur Kter zugeschrieben. Silbergelatinepapier. © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Dietmar Katz

Potsdam, Einsteinturm, 1923. Fotograf: Athur Kter zugeschrieben. Silbergelatinepapier. © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Dietmar Katz

Erich Mendelsohn begann schon in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs mit Skizzen für sich kühn aufschwingende Bahnhofsgebäude und Wohntürme. Er prägte die Berliner Zwischenkriegsarchitektur mit Schmuckkästen wie dem Woga-Komplex (heute u.a. Heimstätte der Schaubühne) oder dem Einsteinturm, stand seit der Zeit außerdem in regem Brief-Kontakt zu Albert Einstein und Herbert Bayer. Mit der Machtübernahme der Nazis jedoch musste er über die Niederlande nach London emigrieren, siedelte aber noch in den 30er Jahren nach Palästina über und landete schließlich über New York in San Francisco, wo er starb. Die Ausstellung erzählt die Geschichte seines Lebens anhand seiner Entwürfe. Wobei anhand schon zu viel gesagt ist. Sie erzählt sie neben den Skizzen. Statt auf etwaige Verbindungen einzugehen, werden diffuse Einflüsse impliziert. Ein gewisser Voyeurismus eignet der Ausstellung. Viele von Mendelsohns Briefe sind aufgehängt und in Reinschriften nachzulesen. Das Private wird thematisiert. Nur ist nicht klar warum. Zur Ehefrau Mendelsohns Louise Maas verrät der Ausstellungstext unvermittelt und für den Fokus auf das architektonische Werk gänzlich irrelevant, dass sie den Zeitgenossen als besonders schön galt.

Letztlich werden aber vor allem die Skizzen Mendelsohns als Kunstwerke ausgestellt. Das kann man machen. Ob damit aber einher gehen muss, dass man keine Fragen an die Werke stellt, dass man keine Fragen an die eigene Sammlung stellt. Mit alldem möchte ich aber nicht bestreiten, dass selten schöne Zeichnungen von Architekturen zwischen Bauhaus, Jugendstil und Konstruktivismus zu sehen sind. Nur wo genau dieses Dazwischen liegt, muss man halt selbst herausfinden oder wissen.

Berlin, Woga - Komplex, Universum - Kino, um 1927Perspektivansicht von der Ladenstra/Ecke Kurfrstendamm. © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Dietmar Katz

Berlin, Woga – Komplex, Universum – Kino, um 1927
Perspektivansicht von der Ladenstraße/Ecke Kurfürstendamm. © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Dietmar Katz

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