Museo Poschiavino

Es wäre einfach, eine genauso fundierte wie blasierte Kritik des Talmuseums im Puschlav zu schreiben. Hier im Hauptort dieses Graubündner Tals an der Grenze zu Italien, das einer Postkarte entsprungen zu sein scheint, heißt das Museum noch schlicht “Museo”.  Zwar gibt es noch ein zweites, aber das ist eben das Kunstmuseum. Das Museum hingegen versammelt all das, was als Zeugnis der Kultur der Region gelten und auf das der Stempel Kunst nicht passen mag (oder zwar Kunst ist, aber nun mal zufällig die wichtigsten Bürger_innen des Tals abbildet). Ein Querschnitt [...]

Japan und sehr wenige seiner Museen

Über japanische Museen kann ich nicht viel sagen. Das liegt vor allem daran, dass ich die Objekte und Themen, die dort und wie sie dort ausgestellt werden, schlicht aus exotisierenden Denkmustern beurteile. Mir fehlt das nötige Hintergrundwissen, um den dortigen Museen gerecht zu werden. Da ich aber doch die Chance nicht ungenutzt lassen will, einmal etwas über ein Land zu bloggen, in das die wenigsten Europäer_innen häufig reisen, versuche ich mich im Folgenden an einer kleinen Fotoreportage, die meist eine gänzlich westliche Sicht zum Maßstab ihrer Bilder und Worte macht. [...]

“Alltag in der DDR”. Das neue Museum der Stiftung Haus der Geschichte in der Kulturbrauerei in Berlin

Inhalt: Der Alltag in der DDR bestand aus Konsum und Arbeit und für manche aus Widerstand. Museologie: Mischung aus Schulbuch, Stubenprinzip und ästhetisierender Objektauswahl. Wobei die Objekte nicht als Ästhetische, sondern als Zeugnisse/Illustrationen für die Schulbuchthesen behandelt werden. Gestaltung: Viel zu voll.

“Im Reich der Falten” im Museum Bellerive Zürich

Der Faltenwurf ist vielleicht der kunsthistorische Fetisch schlechthin. Die Schatten, Perspektiven und Farbverläufe von gemalten Falten können einer fast religiösen Verehrung zu Teil werden. Im Umkehrschluss gilt dann auch: Wer über Faltenwürfe in einem Barockgemälde sprechen kann, der hat Ahnung. Auch in der dreidimensionalen Mode ist die Falte etwas für Kenner_innen. Diejenige, die weiß, wo die Bügelfalte hingehört, hat Geschmack. Den Geschmack, der den feinen Unterschied zur modischen Masse ausmacht. Nachdem aber die Bügelfalte spätestens mit dem Siegeszug der Bundfaltenhose in den 1970er Jahren kein geeignetes Mittel zur Distinktion mehr [...]

“1813 – Auf dem Schlachtfeld bei Leipzig” Im Deutschen Historischen Museum Berlin

Die Karabiner sind auf mich gerichtet. Zwanzig an der Zahl – auf einem Metallgestell, das auch aus einer Waffenkammer stammen könnte. Der Spiegel im Hintergrund soll mich vermutlich daran erinnern, dass ich sowohl hinter als auch vor den Waffen stehen könnte. Im Boden ist eine Vitrine eingelassen, in der auf grauem Sand zwei Geschützkugeln liegen. Soll vielleicht heißen: Ich könnte auch schon tot sein. Hinter mir steht eine Kanone und zwei fahrzeuglose Räder liegen davor. Vervollständigt wird das Ensemble von einem Pferdeskelett mit danebenliegender Kanonenkugel – wiederum auf diesem grauen grobkörnigen Ziersand. Das [...]

3 Kontinente – 7 Länder. Werke von Erich Mendelsohn im Kulturforum Berlin

Welche Rolle spielen die Orte und Stationen eines Lebens im Werk eines Architekten? Welche Rolle spielen die Kontakte zu anderen Menschen in dessen Werk? Welche Rolle spielen einschneidende biographische Erfahrungen, welche Rolle die Religion, die Herkunft, die Familie in den Bauten? All dies sind Fragen, die eine biographisch ausgerichtete Ausstellung über einen Künstlerarchitekten beantworten oder zumindest stellen könnte. All dies tut die Ausstellung zum künstlerischen Nachlass des Architekten Erich Mendelsohn (1887-1953), die die Kunstbibliothek gegenwärtig im Kulturforum zeigt, nicht. Erich Mendelsohn begann schon in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs mit Skizzen [...]